Näh-Lexikon: Rohstoffe und Handelsbezeichnungen Part I Baumwolle

Gerade, wenn man anfängt mit dem Nähen und Schneidern ist die Stoffauswahl ein schwieriger Aspekt. Am verwirrendsten sind hier die Begriffe „Rohstoff“ und „Handelsbezeichnung“. Der Rohstoff bezeichnet die Fasern aus denen später textile Flächen und Garne hergestellt werden. Diese Fasern bestehen zB. aus Baumwolle, Leinen oder Wolle.
Handelsbezeichnungen hingegen sind „Popeline“, „Satin“ oder „Tweed“. Sie bezeichnen das Endprodukt, die textile Fläche.

In den letzten Jahren ist das öffentliche Bewusstsein für Konsum Verantwortung gestiegen. Den Menschen wird immer deutlicher, dass sie mit ihren Kaufentscheidungen auch Mitverantwortung für den Herstellungsprozess tragen. Baumwolle ist ein gefragter Rohstoff, aber auch fragwürdig in der Herstellung. Konventionell angebaute Baumwolle wird mit einem hohen Maß an Pestiziden und Chemikalien behandelt. Und verursacht dadurch Schäden an der Umwelt und den Menschen, die sie anbauen. Zudem werden Unmengen an Wasser für den Anbau und die Stoffherstellung verbraucht. Das Angebot an Bio-Baumwolle steigt und sollte auch weiter ausgebaut werden. Hier findest Du weitere Infos zum konventionellen Anbau.

Kunden gehen häufig in Stoffgeschäfte oder zum Händler und sagen sie suchen nach „Baumwolle“. Das ist irreführend, da aus Baumwolle u.a. folgendes entsteht: Batist, Damast, Biber, Chintz, Cord, Baumwolldruck, Denim, Doppelripp, Feinripp, Samt, Popeline, Gabardine, Molton, Frottier und Nessel. Diese Waren haben alle eins gemeinsam: den Rohstoff Baumwolle (oder anteilig Baumwolle und andere Rohstoffe wie Viskose oder Polyester, auch hier gibt es etliche Variationsmöglichkeiten). Sie unterscheiden sich u.a. in der Art der Bindung.

Es gibt drei Grundbindungsarten: die Leinwandbindung (zB. bei Batist), die Köperbindung (zB. bei Denim) und die Atlasbindung (zB. bei Satin, darum auch Satinbindung genannt). Neben der Bindung gibt es noch weitere Unterschiede.

Doppelripp und Feinripp zählen zur Wirkware, sie sind nicht gewebt sondern gestrickt, auch Maschenware genannt. Nach dem die textile Fläche hergestellt wurde gibt es noch verschiedene Arten der Veredelung, wie Färben, Drucken oder Beschichten. Diese ganzen Aspekte sorgen für die Unterscheidungsmerkmale der Webwaren.

Fakten zum Rohstoff Baumwolle:

  • Griff: weich
  • Feuchtigkeitsaufnahme: hygroskopisch ca. 8% relative FA, sehr saugfähig ca. 30 % absolute FA, und sie ist hydrophil
  • Scheuerwiderstand: gut
  • Dehnbarkeit: relativ gering, d.h. sie lässt sich nicht gut ausdehnen
  • Elastizität: gering, d.h. sie zieht sich nach einer Ausdehnung nicht gut in den Ausgangszustand zurück
  • Knitterwiderstand: starke Knitterneigung
  • Formbarkeit: nicht dauerhaft formbar, durch Hitze und Druck
  • Waschverhalten: waschfest, kochbar, Vollwaschmittel
  • Besonderheit: nur geringes Wärmehaltevermögen

Diese Aspekte des Rohstoffs werden später auch durch die Weiterverarbeitung beeinflusst. Ein Baumwoll Jersey (also Feinripp) ist natürlich mit weniger Knitterneigung gesegnet als ein Nessel Stoff. Das liegt an den Merkmalen der Bindung/Wirkung und Veredelung. Von den Eigenarten des Rohstoffs und der Ware sollte man auch die Stoffauswahl abhängig machen. Baumwolle hat ein geringes Wärmehaltevermögen, also ist sie eher weniger für Winterkleidung geeignet. Es ist also wichtig diese Aspekte mit einzubeziehen und sich vor dem Stoffkauf schlau zu machen und auch die Stoffempfehlungen auf den Schnittmustern mit einzubeziehen.

Die Auswahl des richtigen Stoffes ist maßgeblich für die gelungene Verarbeitung, die Passform sowie der gewünschte Fall des Stückes. Behalte das immer im Hinterkopf. Dann bleiben Dir Enttäuschungen erspart, denn nicht jeder Stoff eignet sich für jedes Modell und jeden Zweck. Das musste ich auch schon erfahren.

Ich möchte in Zukunft näher auf die Merkmale der Handelsbezeichnungen eingehen und auch andere Rohstoffe vorstellen. Hast du Interesse an so einem Online Nachschlagewerk? Oder spezielle Fragen und Wünsche? Dann schreib mir doch. 🙂

C.

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3 Gedanken zu “Näh-Lexikon: Rohstoffe und Handelsbezeichnungen Part I Baumwolle

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